Obervellach - Piotr Grabowski
Die Orgel von Obervellach besitzt eine ebenso interessante wie bewegende Geschichte. Sie wurde im Jahr 1700 von Franz Köck erbaut und zählt zu den bedeutendsten historischen Orgeln Kärntens (einer Region im Süden Österreichs). Zur Zeit ihrer Erbauung war sie mit über 20 Registern die größte Barockorgel Kärntens. Ein weiteres für diese Epoche einzigartiges Merkmal ist die Sonnenanordnung von Pfeifen in der Mitte des Instruments. Ursprünglich waren diese Pfeifen klingend und bildeten vermutlich eine besondere Mixtur. Bohrungen auf der Rückseite der Sonne bestätigen diese Annahme. Diese Sonne kann auch als Hommage an den Orgelbauer Eugenio Casparini verstanden werden. Ursprünglich verfügte das Instrument über zwei Manuale und ein Pedal, beide mit kurzer Oktave. Das ursprüngliche Temperatur-System lässt sich heute nur vermuten. Für das Sample-Set wurde ein historisches Temperament nach Barnes gewählt, da die Orgel heute gleichstufig gestimmt ist.
Leider führten im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschiedene Orgelbauer sogenannte „Restaurierungen“ und Veränderungen am Instrument durch. Da keinerlei Dokumentationen über diese Eingriffe existieren, lassen sich deren Umfang und Art nur grob erahnen. Ein Zitat aus dem Restaurierungsbericht von 1958 lautet:
„Die Orgel hat jetzt nur ein Manual mit einer sehr unlogisch zusammengewürfelten Disposition. Der jetzige Zustand ist die Folge einer vermutlich größeren Reihe von unsachgemäßen Eingriffen inferiorer Orgelbauer, die keine Ahnung von richtiger Behandlung einer so alten und wertvollen Orgel hatten.“
Vor der Restaurierung im Jahr 1958 war die Orgel in Obervellach ein einmanualiges Instrument mit einem sehr umfangreichen Hauptwerk, das vermutlich aus der Zusammenlegung der beiden ursprünglichen Werke (Hauptwerk und Rückpositiv) auf einer Klaviatur entstanden war. Es war jedoch sofort erkennbar, dass die Orgelbauer, die zuvor an dem Instrument gearbeitet hatten, kaum Fachkenntnisse besaßen. Der Restaurierungsbericht spricht von „grausamen Eingriffen von unwissenden Orgelbauern“. Große Teile der Pfeifen wurden massiv verändert, und selbst die Bezeichnungen der Register waren teilweise falsch. Laut den Unterlagen der Restaurierung von 1958 sah die Disposition damals wie folgt aus:
Aeoline 8′, Quinte 2 2/3′, Viola 8′, Principal 8′, Quinte 1 1/3′, Flöte 4′, Gedeckt 8′, Superoctav 2′, Mixtur 3 fach, Gambe 8′, Prästant 4′, Octave 4′, Baßflöte 4′, Tremolo, Fagot 8′, Violon 16′, Subbaß 16′, Octavbaß 8′, Posaune 16′.
Leider gibt es keine Angaben darüber, welche Register dem Pedal zugeordnet waren, sodass unklar bleibt, wie viele Pedalregister tatsächlich vorhanden waren.
Im Jahr 1958 wurde der Orgelbauer Pirchner aus Steinach am Brenner (Tirol) beauftragt, das Instrument möglichst originalgetreu unter Verwendung möglichst vieler originaler Bestandteile zu restaurieren. „Möglichst originalgetreu“, da frühere Eingriffe die Pfeifen so stark verändert hatten, dass sie für eine authentische Wiederherstellung nicht mehr geeignet waren. Trotz dieser massiven Schäden konnten mehrere Register gerettet und mit nur minimalen Änderungen wieder eingebaut werden.
Das Hauptgehäuse, die originale Windlade des Hauptwerks sowie mehrere Register wurden nach einer sorgfältigen, materialgerechten Restaurierung weiterverwendet. Die Restaurierung des Gehäuses und der Schnitzereien wurde von dem renommierten Restaurator Adolf Campidell aus Feistritz durchgeführt. Unverändert erhaltene originale Pfeifen sind im Hauptwerk: Prinzipal 8′, Copel 8′, Schwebeprinzipal 8′, Oktave 4′, Oktave 2′, Quinte 2 2/3′, Quinte 1 1/3′, Mixtur 3 fach; im Pedal: Subbaß 16′ (12 Basspfeifen) und Octavbaß 8′ (12 Basspfeifen).
Der übrige Pfeifenbestand stammt aus dem Jahr 1958, möglicherweise unter Verwendung einiger älterer Teile. Da die Orgel ursprünglich eine kurze Oktave besaß, mussten die fehlenden tiefen Pfeifen neu gebaut werden, um den heute üblichen chromatischen Umfang zu erreichen. Das Rückpositiv musste leider vollständig neu aufgebaut werden. Auch das Pedal wurde bis d1 ergänzt, wodurch die fehlenden 15 Diskantpfeifen hinzugefügt wurden. Da auch die Windversorgung unzureichend war, wurde ein komplett neues Windsystem einschließlich eines neuen Gebläses installiert. Da die Stromversorgung zu jener Zeit nicht immer gewährleistet war, wurde zusätzlich ein Schöpfbalg eingebaut, sodass die Orgel auch ohne Elektrizität spielbar blieb. Interessanterweise weist der Copel 8′ des Hauptwerks im Umfang von c bis c³ exakt dieselben Mensuren auf wie der Copel 8′ im Rückwerk der berühmten Festorgel des Stiftes Klosterneuburg (Niederösterreich). In Kriegszeiten mussten viele österreichische Kirchen nicht nur ihre Glocken für die Waffenproduktion abgeben, sondern auch die Prospektpfeifen ihrer Orgeln. Die Orgel von Obervellach blieb davon verschont und gehört zu den seltenen Beispielen mit originaler Prospektpfeifenfront aus dem Jahr 1700. Heute verfügt die Orgel über 1 238 Pfeifen und wurde zuletzt im Jahr 2009 restauriert.
Da die Orgel eine eher modern gestaltete Spielanlage erhalten hatte, entschieden wir uns, für das Sample-Set eine andere Konsole zu verwenden, nämlich jene der Orgel von Obermillstatt, angepasst an die Bemalung des Obervellacher Gehäuses. Auch diese wurde von Pirchner erbaut (1983), jedoch in einem historisierenden Stil, der besser zum Instrument passt. Das Register Schwebeprinzipal 8′ wurde in Salizet 8′ umbenannt, da es kein schwebendes Register mehr ist und diese Bezeichnung besser in die Disposition passt. Der ursprüngliche Manualumfang C–c3 (C2–C6) sowie der Pedalumfang C–d1 (C2–D4) wurden im Sample-Set entsprechend auf f3 (F6) bzw. f1 (F4) erweitert.
Trotz seiner bewegten Geschichte hat die Orgel einen Großteil ihrer ursprünglichen Schönheit und ihres Charakters zurückerhalten. Mehrere Fachleute zeigten sich überrascht, ein derart schönes Instrument an einem ländlichen Ort wie Obervellach vorzufinden.
| Marke: Piotr Grabowksi |
| General | |
|---|---|
| Sample rate | 48 kHz |
| Bit resolution | 24 bit |
| Channel count | 6 (3 × Stereo) |
| Compatible software | Hauptwerk v. 4.2 or higher GrandOrgue |
| Memory requirements | |
| 24 bit, all channels | 13 GB |
| 16 bit, all channels | 6.7 GB |
| 24 bit, 2 channels | 4.3 GB |
| 16 bit, 2 channels | 2.2 GB |
| Rückpositiv Gedeckt 8' Rohrflöte 4' Prinzipal 2' Quint 1 1/3' Cimbel III 1' Regal 8' | Hauptwerk Quintatön 16' Prinzipal 8' Coppel 8' Salizet 8' Octav 4' Spitzflöte 4' Quint 2 2/3' Octav 2' Quint 1 1/3' Octav 1' Mixtur III 1 1/3' Trompete 8' POS. - HW. | Pedal Subbaß 16' Octavbaß 8' Gedecktbaß 8' Choralbaß 4' Posaune 16' Trompete 8' extension POS. - PED. HW. - PED. |